Dr. med. Ulrike Attenberger, Univ.-Prof. Dr. med. Stefan Schönberg

Besprechung des Titels: Ganzkörper-MRT-Screening
Ganzkörper-MRT-Screening. Befunde und Zufallsbefunde

Der ersten Auflage von "Ganzkörper-MRT-Screening. Befunde und Zufallsbefunde" von Ralf Puls und Norbert Hosten gelingt eine umfassende klinisch-radiologische Betrachtung des Stellenwerts der MRT-Diagnostik als Screening-Methode in populationsbasierten Studien. Die Autoren schlagen in diesem Zusammenhang einen Bogen von der Diskussion der technischen Grundvoraussetzungen zur Ganzkörper-MRT, über indikationsspezifische, dedizierte Protokolle hin zu einer detaillierten Darstellung von pathologischen Befunden, geordnet nach Organregionen und der Häufigkeit ihres Auftretens, die bei der Nutzung der Ganzkörper-MRT als Screeningverfahren auftreten. Ein wesentlicher Schwerpunkt, der in einem eigenen Kapitel ausführlich diskutiert wird, liegt dabei auf der ethischen Problematik von Zufallsbefunden, d. h. von Befunden, deren Auftreten bei Anfertigung des MRTs nicht erwartet wird. Dabei gelingt das Ziel, eine Anleitung zum Umgang mit Zufallsbefunden in der Ganzkörper-MRT, basierend auf der gegenwärtigen wissenschaftlich-publikatorischen Diskussion und Rechtslage, zu vermitteln, auf exzellente Art.

Dieses Buch ist damit nicht nur für den klinisch tätigen Radiologen von großem Interesse, sondern auch im Hinblick auf die Forschung. So gewinnen durch die große Zahl täglich weltweit angefertigter Forschungs-MRTs Zufallsbefunde eine besondere Bedeutung. Gerade im Rahmen von Forschungsarbeiten ergibt sich mit jedem zufällig detektierten Befund, dessen Auftreten primär weder von der zu untersuchenden Person noch dem Untersucher erwartet wurde, ein Spannungsverhältnis aus dem "Recht des Nichtwissens" des Probanden, einer evtl. Gefährdung Dritter durch die erhobenen Befunde, den Ansprüchen der Epidemiologen, die die erhobenen Daten für populationsbasierte longitudinale Verlaufsstudien analysieren, und der Frage nach der rechtlichen Pflicht, die für Forschungszwecke angefertigten Bilddaten fachradiologisch begutachten zu lassen. Dieses Buch zeigt in bestechender Weise fundierte Lösungsansätze für diese Konfliktsituationen auf. Wichtige Anhaltspunkte für den Umgang mit den "nicht erwarteten Befunden" gibt in diesem Zusammenhang auch die detaillierte Illustration, Wichtung und Beschreibung der klinischen Konsequenz der am häufigsten auftretenden Zufallsbefunde. Besonders herauszuheben sei an dieser Stelle auch die ansprechende grafische Gestaltung des Buches, die sich insbesondere durch ihre Übersichtlichkeit auszeichnet. So werden die am häufigsten auftretenden "Zufallsbefunde" mit wertvollem Bildmaterial treffend illustriert.

Neben ausführlicher Diskussion ethisch-rechtlicher Grundlagen findet der Leser auch eine dedizierte Aufstellung von Protokollvorschlägen für Ganzkörper-MRTs, die nach klinischer Fragestellung und Organregion übersichtlich in Tabellen geordnet sind und es so leicht machen, den Überblick auch im klinischen Alltag zu behalten.

Fazit:
Die erste Auflage von "Ganzkörper-MRT-Screening. Befunde und Zufallsbefunde" ist ein insgesamt zu empfehlendes Buch für klinisch als auch wissenschaftlich tätige Radiologen, das durch eine detaillierte Darstellung von pathologischen Befunden, gewichtet nach der Häufigkeit ihres Auftretens, eine wertvolle Anleitung zum Umgang mit Zufallsbefunden bei der Nutzung der Ganzkörper-MRT als Screeningverfahren gibt.

RöFo, Band 183,  Februar 2011



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