Besprechung des Titels: Geschichte und Geschichten
Im Vordergrund stehen die Erinnerungen der Bewohner

Jetzt haben die Rotenburger Werke auch ihre Nachkriegsgeschichte in einem Buch aufgearbeitet. In mehr als vier Jahren hat ein Team ehrenamtlich das umfangreiche Archiv der Einrichtung gesichtet und aufbereitet, Interviews mit Bewohnern geführt, Historiker sowie ehemalige und noch aktive Mitarbeitende zum Schreiben animiert.

Entstanden ist das 276 Seiten starke Werk "Geschichte und Geschichten - Der Weg der Rotenburger Werk der Innere Mission von 1945 ins 21. Jahrhundert". Das Ganze ist ein aufrichtiges und vielschichtiges Lesebuch mit vielen Fotos und Abbildungen geworden. "Im Vordergrund stehen dabei die Erinnerungen der Bewohner", sagt Burkhard Stahl, leitender Psychologe der Werke und Honorarprofessor im Studiengang Behindertenpädagogik der Universität Bremen. Er ist Mitherausgeber des Buches und hat die Arbeit geleitet und koordiniert.

Ohne Anspruch auf Vollständigkeit hat das Redaktionsteam anhand historischer Daten und persönlicher Sichtweisen eine große Anzahl an Einzelaspekten beleuchtet. Neben den Erinnerungen der Bewohner sind das beispielsweise die Perspektiven der Mitarbeiterschaft, der Bereich Bildung, Förderung und Beschäftigung, die Entwicklung der Interessenvertretung, die sich verändernden Leitbilder in der Behindertenhilfe oder die Entwicklung des christlich-diakonischen Profils. Auch dem Thema Gewalt ist ein Kapitel gewidmet. "Dunkle Seiten der Vergangenheit wurden nicht ausgeblendet", betont Stahl.

Pastorin Jutta Wendland-Park, Vorstandsvorsitzende der Rotenburger Werke, ist neben Stahl und dem kurz vor Drucklegung verstorbenen Wissenschaftler Raimond Reiter Herausgeberin des Geschichtsbuches. "Für uns ist die Aufarbeitung der Vergangenheit ein wichtiger Baustein, um die Gegenwart zu verstehen und Planungen für die Zukunft machen zu können." Eine erste Veröffentlichung von 1992 dokumentiert bereits die Zeit des Nationalsozialismus. Das jüngste Buch schließt zeitlich daran an.

Wendland-Park hofft, dass die Lektüre dazu anregt, neu über soziale Verantwortung in der Gesellschaft und die Teilhabe von Menschen mit Behinderung an dieser Gemeinschaft nachzudenken. "Wenn das gelingt, haben sich alle Mühen für dieses Werk gelohnt." (…)

Rotenburger Rundschau,  Oktober 2011



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