Ulrich Glatzer

Besprechung des Titels: Gesundheit!
Anstiftung zur Revolution

Weg mit den Krankenkassen, her mit wirklichen, privat organisierten Versicherungen, kein Einfluß der Politik mehr auf die Krankenversicherung, Abschaffung aller Gesetze zur Gesetzlichen Krankenversicherung.

So liest sich ein Auszug aus den Forderungen, mit denen drei prominente Autoren der Diskussion um die Weiterentwicklung des deutschen Gesundheitssystems eine neue Richtung geben wollen.


Früher hätte man sie wegen Hochverrats angeklagt. Heute wird Bernd Schottdorf, Wolfgang Fikentscher und Fritjof Haft nur der heftige verbale Abwehrreflex von Gesundheitspolitikern und -funktionären treffen, wenn in der dritten Aprilwoche ihr Buch "Gesundheit!" auf den Markt kommen wird. Denn was die drei Autoren niedergeschrieben haben, ist nichts anderes als eine Anstiftung zur Revolution. Folgt man Schottdorf und Co, bleibt im deutschen Gesundheitswesen kein Stein auf dem anderen.

Allerdings schöpfen der prominente Laborarzt Schottdorf, der vor einigen Jahren durch spektakuläre gewonnene Strafprozesse Aufsehen erregte, und die beiden angesehenen Rechtswissenschaftler Fikentscher und Haft ihren Entwurf nicht aus der Tiefe des Gemüts. Dem Modell des renovierten Gesundheitswesens stellen sie eine Beschreibung und Analyse der institutionellen Gegebenheiten im deutschen Gesundheitssystem voran, aus der sie ihre Vorschläge herleiten und die in ihrem Detailreichtum ihresgleichen sucht. Auch die historischen Vorläufer und die Prozesse, die zum heutigen Zustand geführt haben, werden ausführlich dargestellt.

Die Kritik der einzelnen Entwicklungen ist anhand der aufgeführten Fakten nachvollziehbar: Man muss nicht einer Meinung sein mit den Autoren, aber man kann jedenfalls ihrer Argumentation folgen. Und erschrickt dabei gelegentlich: Die Szenarien für die weitere Entwicklung sind überwiegend bekannt, aber wenn man sie so plastisch und präzise vorgerechnet bekommt, erhalten sie eine zusätzliche Dimension.

Für eine Gesundung des Systems schlagen die Autoren ein ausgefeiltes Reformmodell vor. Und sie begnügen sich auch nicht mit dem Entwurf, sondern entwickeln verschiedene, zum Teil durchgerechnete Szenarien, wie ein Übergang vom heutigen Zustand organisiert werden könnte, ohne dass es zu einer wirklichen Revolution und sozialen Verwerfungen kommen würde...

> Download der gesamten Rezension als PDF


KlinikManagement Aktuell,  04/2004



> Übersicht Rezensionen
> zurück
> Datenschutz   > Disclaimer   > Impressum