Dr. Mina Stoyanova

Besprechung des Titels: Harrisons Innere Medizin
Harrisons Innere Medizin – das Meisterlehrbuch in neuem Gewand

Seit Jahrzehnten ist es das Standardlehrbuch für alle Ärzte. Harrisons Innere Medizin begleitet Medizinstudenten durchs Studium und dient sowohl Fachärzten als auch Experten als wertvolles Nachschlagewerk. Er ist somit unbestritten das meist gelesene Buch in der Humanmedizin und gilt weltweit als die „Bibel“ der internistischen Erkrankungen.

Nun ist die mittlerweile 19. Auflage veröffentlicht und sie ist fortschrittlicher, ausführlicher als je zuvor mit Liebe zum Detail. Schon rein äußerlich macht der ABW Verlag deutlich: hier kommt etwas Besonderes, denn erstmals erscheint Harrisons Innere Medizin in einer optisch ansprechenden Hülle. Weg von den vornehmen Grautönen, hin zu den beliebten blau-weißen Thieme-Farben.

Das vierbändige Werk mit über 4500 Seiten umreißt die komplette Innere Medizin. Abgerundet wird der Buchinhalt durch mehr als 130 digitale Kapitel und 150 Videos, die online verfügbar sind. Über 300 Experten unter Federführung der Berliner Charité-Professoren Norbert Suttorp, Martin Möckel, Britta Siegmund und Manfred Dietel haben Dank ihres Engagements erneut eine deutsche Auflage ermöglicht. Das Werk stellt nicht nur eine bloße Übersetzung der amerikanischen Version dar, sondern deren grundlegende Überarbeitung und Ergänzung nach europäischen Leitlinien. So enthält die deutsche Ausgabe zum Beispiel die Kapitel „Leichenschau“, „DRG's“ und „seltene Erkrankungen“, die in der amerikanischen nicht zu finden sind. Nahezu komplett neu für den deutschsprachigen Raum umgeschrieben sind die Kapitel „Internistische Erkrankungen in der Schwangerschaft“ und „Hautveränderungen“.

Was zeichnet Harrisons Innere Medizin aus und macht ihn damit zur legendären Fachlektüre? Tiefgründig und nach dem aktuellsten Wissensstand werden die Teilgebiete der Inneren Medizin nicht nur beschrieben, sondern auch verständlich erklärt. Dem beliebten klinischen Algorithmus folgend, werden die einzelnen Krankheitsbilder von den molekularen und pathophysiologischen Grundlagen bis zu den neuesten diagnostischen Verfahren und Therapieformen systematisch und evidenzbasiert vermittelt. Darüber hinaus wird fachübergreifendes Wissen aus anderen Fachgebieten der Medizin wie Neurologie, Urologie und Dermatologie integriert, was für ein interdisziplinäres differentialdiagnostisches Vorgehen unerlässlich ist. Harrisons Innere Medizin vermittelt somit genau die Kenntnisse, die im praktischen Arbeitsalltag eines Mediziners unabdingbar sind – das „Rund-um-Paket“ für jeden Arzt.

Durch die enge Kooperation mit dem Thieme Verlag steht jedem Leser ein kostenloser Zugang zu einer digitalen Wissensplattform offen. Dort finden sich über 130 elektronische Kapitel, versehen mit zusätzlichen multimedialen Elementen, wie Bilderatlanten, Videos, Tabellen, Diagrammen sowie laufenden Updates zu den bestehenden Kapiteln. Diese elektronischen Kapitel sind in der Buchausgabe mit einem Symbol gekennzeichnet. Besonders hervorzuheben sind hierbei die digitale Darstellung der invasiven und nicht-invasiven Bildgebung sowie der interventionellen Therapieverfahren in der Kardiologie.
Nicht unerwähnt bleiben sollte die Tatsache, dass die Kooperation zwischen den beiden Verlagen es ermöglicht hat, seit geraumer Zeit auch einen Online-Harrison zur Verfügung zu stellen, der als eHarrison bezeichnet wird. Davon werden Campus-Lizenzen an Universitätsklinika, Bibliotheken und anderweitig angeboten. Zusätzlich gibt es dann den gesamten Harrison auch als eHarrison für Privatlizenzen, die auf sämtlichen Endgeräten laufen. Diese elektronische Version des großen Werkes hat den Vorteil, dass hier über die Laufzeit der Auflage immer wieder Updates eingefügt werden. Die ersten sind bereits jetzt für diese aktuelle Neuauflage elektronisch verfügbar.


Die neue Ausgabe von Harrisons Innere Medizin widmet sich in besonderer Weise auch den aktuellen Herausforderungen, denen sich Mediziner durch weltweit gestiegenen Handel, Tourismus und Migration stellen müssen. Das betrifft insbesondere seltene Infektionserkrankungen, wie zum Beispiel EHEC, Zika und Ebola, die in den vergangenen Jahren für Schlagzeilen sorgten und immer häufiger auch in den Fokus deutscher Ärzte rücken.

Zwar passt der Harrison keineswegs in die Kitteltasche und doch ist er unentbehrlich im klinischen Alltag denn er lässt kaum eine medizinische Frage unbeantwortet. Und so ist es wohl nicht zu viel des Lobs, ihn getrost als Meisterwerk zu bezeichnen.

klinikarzt 2017; 46: 307,  18.07.2017



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