Prof. Dr. Karl Heinz Schriefers

Besprechung des Titels: Fokus Patientensicherheit
Fokus Patientensicherheit

Das Original "Understanding Patient Safety" stammt aus der Feder eines Amerikaners. Die deutschsprachige Ausgabe tätigten drei Autoren, die sich (nach eigener Aussage) mit dem Problem Patientensicherheit schon längere Zeit befassten: einem Anästhesiologen, einem nicht medizinischen Risiko-Berater und einem Soziologen. Sie sorgten für die Einfügung von Eigenheiten aus dem deutschsprachigen Raum, die im Text und in den Literaturverzeichnissen erkennbar gezeichnet sind. Erschreckend ist die vom Autor einleitend genannte Erfahrung, dass in den USA jährlich 44000 bis 98000 Menschen infolge medizinischer Fehler versterben. "Unerwünschte Ereignisse" erleidet jeder zehnte Patient. Davon erfahren allerdings zwei Drittel keine oder nur geringe Schäden, ein Drittel jedoch eine leichte bis dauerhafte Invalidität.

Mögliche Zweifel an solchen Zahlen oder die Hoffnung, es könne bei uns um die Patientensicherheit besser bestellt sein, sollten nicht von der Einsicht in die Notwendigkeit der Erkennung und Bekämpfung medizinischer Fehler ablenken. Auch bei uns wird sich zunehmend, aber sicher noch nicht in ausrechendem Maß, mit dem Problem der Patientensicherheit auseinandergesetzt. Fehler entstehen entgegen der gängigen Vermutung nicht in erster Linie durch Fehlhandlungen schwarzer Schafe, sondern durchaus durch kompetente Vertreter ihres Fachs in einem nicht auf Sicherheit angelegten System.

Fehler entstehen bei der Medikation, durch spezielle Fehlhandlungen im chirurgischen Bereich, in der Diagnostik, beim Umgang mit Geräten, bei der Übergabe von Patienten, bei der Teamarbeit und Kommunikation, durch nosokomiale Infektionen. Jeder dieser Fehlerquellen ist ein eigener Abschnitt im Buch gewidmet. Vorschläge für Lösungsansätze nehmen den größten Teil der Ausführungen ein. Es geht unter anderem um spezielle Formen der Informationstechnologie, um Meldesysteme, um Aufbau einer Sicherheitskultur, um Personalfragen, um Ausbildung und Training.

Der Text ist klar gegliedert, lebendig und durch zahlreiche eindrucksvolle Kasuistiken ergänzt. Die einzelnen Abschnitte werden mit Zusammenfassungen in Form von "Kernpunkten" abgeschlossen.

Das Buch verweist auf ein Problem der Medizin, dem bisher zu wenig Beachtung geschenkt wurde. Sicherheit ist aber in der Medizin mindestens so wichtig wie Qualität und bedarf mindestens gleichwertiger Aufmerksamkeit und Anstrengung. Solchen Bestrebungen kommt dieses Buch in idealer Weise entgegen.

Arzt und Krankenhaus,  9/2010



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