Dr. C. Brock

Besprechung des Titels: Fokus Patientensicherheit
Fokus Patientensicherheit

Ein Problem der "Medizin", die Patientensicherheit, wird seit einigen Jahren mehr beachtet. Gründe dafür sind Darstellungen in den Medien, aufgekommene versicherungsrechtliche Fragen und nicht zuletzt das gesteigerte, wohl auch berechtigte Sicherheitsbewußtsein aller Beteiligten im Gesundheitssystem.

Die drei Herausgeber, selbst viele Jahre mit dem Thema befasst, haben statt eines geplanten eigenen Buches die Übersetzung der 2008 erschienen Originalausgabe "Understanding Patient Safety" von R. M. Wachter (San Francisco) gewählt.

Dank eines vorzüglichen Übersetzers, der die typische amerikanische Erzählweise erhalten hat, und mit grau unterlegten Hinzufügungen und Anpassungen für den deutschen Sprachraum ist ein interessantes, gut gegliedertes, aber auch flott zu lesendes Buch entstanden, das sogar als Nachschlagewerk standhält. Eingestreute Kasuistiken als Beispiele und "Kernpunkte" am Schluss jeden Kapitels sind dabei hilfreich.

In den USA gehen zuverlässige Schätzungen davon aus, dass etwas jeder 10. stationäre Patient ein "unerwünschtes Ereignis" (UE) erleidet. Davon sei die Hälfte vermeidbar, zwei Drittel verursachen keine oder nur geringe Schäden am Patienten, beim restlichen Drittel kommt es zu Schädigungen bis hin zu dauerhafter Invalidität und sogar Tod. Nicht nur die finanziellen Auswirkungen sind enorm.

Bei der Analyse der UE zeigt sich, dass Fehler nicht etwa nur den "schwarzen Schafen", sondern auch gestandenen und kompetenten Ärzten und Mitarbeitern unterlaufen können. Diagnostische Fehlentscheidungen sind allerdings besonders von der Ausbildung des individuellen Arztes abhängig!

Es werden zunächst in einzelnen Kapiteln die verschiedenen Fehlermöglichkeiten wie Medikation, operative Eingriffe, technische Geräte, Hygiene, der Komplex der Kommunikation usw. besprochen. Die meisten Daten zur Patientensicherheit stammen aus den Krankenhäusern. Im ambulanten Bereich gibt es darüber kaum Informationen. Das liegt auch daran, dass "die Tätigkeit niedergelassener Ärzte weniger stark reguliert ist" und zudem "die meisten Tätigkeiten hinter verschlossenen Türen stattfinden (in alleiniger Anwesenheit des Arztes und Patienten)".

Der größere Teil des Buches enthält dann Vorschläge und Erklärungen zur Vermeidung von UE. Dazu müssen vor allem systemorientierte Lösungen gefunden werden, also Melde- und moderne Informationssysteme und Risikomanagement auf jeder Ebene. Zum Aufbau einer "Sicherheitskultur" sind auch die Lösung von Personalfragen, die Beachtung von Dienstzeiten und nicht zuletzt Ausbildung und Training erforderlich. Den in Deutschland und anderen europäischen Ländern erworbenen Fortbildungszertifikaten stehen in den USA strenge Rezertifizierungen nach 6 bis 10 Jahren in den verschiedenen Fächern gegenüber. Bei der Organisation eines Sicherheitsprogrammes gilt für den Autor aber immer noch: "Vertrauen ist gut, Kontrolle besser"!

Das Erfassen von Fehlern, auch von Beinaheereignissen, ihre Auswertung, ein vernünftiger Umgang mit den Daten und die Förderung der wissenschaftlichen Forschung im Bereich Patientensicherheit werden Befürchtungen und Sorgen der Patienten deutlich verringern.

Für alle im "Gesundheitsbereich" Beschäftigten, auch für kompetente Patienten liegt hier eine aktuelle und aufschlussreiche Lektüre vor.

Ärzteblatt Mecklenburg-Vorpommern,  10/2011



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