Christoph Ecken

Besprechung des Titels: Gesundheitswirtschaft
Mehr für Gesundheit ausgeben!

Nur gesunde Menschen können durch Ihre Leistungen für Prosperität und Wohlstand sorgen. Gesundheit ist somit ein entscheidender Wirtschaftsfaktor, schreibt Prof. Dr. Dietrich Grönemeyer in seinem jüngsten Buch Gesundheitswirtschaft. Deshalb dürfen Reformen nicht einseitig den Blick auf das Sparen richten, im Gegenteil: Investitionen in die Gesundheitswirtschaft wären die richtige Therapie. Denn die Deutsche Hochleistungsmedizin genießt weltweit einen hervorragenden Ruf. In Verbindung mit der modernen Medizintechnik stellt sich ein enormes Potential zur Steigerung der Wirtschaftskraft dar.

Grönemeyer setzt gegenwärtigen Reformbemühungen sein Modell der Gesundheitswirtschaft entgegen: Als oberstes Ziel nennt der Inhaber des Lehrstuhls für Radiologie und Mikro-Therapie an der Universität Witten/Herdecke eine gute Lebensqualität für alle. Sie sei der medizinische Dreh- und Angelpunkt. Die Gesundheitswirtschaft umfaßt in Grönemeyers Diktion alle medizinnahen Bereiche wie etwa Gesundheits- und Wellness-Tourismus, Sport, Kleidung und Ernährung, IT-Branche und Telekommunikation. Hier ließe sich soviel Geld verdienen, daß notwendige Investitionen getätigt und sozial Bedürftige versorgt werden könnten. Grönemeyers Credo: Marktliberalisierung. Die dafür notwendige Deregulierung setzt nach Grönemeyers Ansicht erstens voraus, den Menschen als selbstbestimmtes Individuum anzusehen, staatliche Leistungen zu reduzieren, Qualität zu sichern und die Verpflichtung, sozial schwache Menschen zu schützen. Zweitens sollte es individuelle Versicherungen nach dem Kasko-Prinzip geben und als drittes Element nennt Grönemeyer den freien Wettbewerb für Kassen, Krankenhäuser und Ärzte. Eine Kostenexplosion im Gesundheitswesen gebe es gar nicht, denn die Gesundheitsausgaben seien seit Jahren in etwa konstant. Das Problem seien die geringen Einzahlungen aufgrund der hohen Arbeitslosigkeit. Genau deshalb geht es vordringlich um die Schaffung neuer Arbeitsplätze in der Gesundheitswirtschaft. Grönemeyer schätzt, daß in Deutschland leicht bis zu acht Millionen Menschen Arbeit in einer Gesundheitsgesellschaft finden würden. Schon heute seien inklusive Pharmazie und Medizintechnik 4,2 Millionen Menschen im Gesundheitswesen beschäftigt, rund 11 Prozent aller Berufstätigen. Fachkundig, leicht verständlich und gut illustriert verbreitet Grönemeyer auf 190 Seiten seine lesenswerte Vision von einer Gesundheitsgesellschaft.

Angesichts verhärteter Fronten im Gesundheitswesen scheint eine Realisierung zwar utopisch – nichtsdestoweniger hätte es diese Vision verdient, in der Gesellschaft diskutiert zu werden.


Pharma und wir, Nr. 1,  17.02.2005



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