Besprechung des Titels: Gesundheitswirtschaft
Kompetenzzentren - Brücke zwischen ambulant und stationär

Die Gesundheitsreform verdient nicht annähernd den Namen Reform, meint Professor Dietrich Grönemeyer, Leiter des Instituts für Radiologie und Mikrotherapie der Universität Witten-Herdecke. Sein Gegenvorschlag: Heilen statt kranksparen.

"Wieviel Hirnschmalz hochqualifizierter Menschen, wieviel Zeit und Geld werden auf die Justierung von Subventionen, auf die Optimierung von Fragebögen, auf Zuständigkeitsrangelei verschwendet!", schreibt Grönemeyer in seinem neuen Buch "Gesundheitswirtschaft - Die Zukunft für Deutschland" .

Um das Gesundheitswesen in eine andere Richtung zu lenken, wünscht er sich Kompetenzzentren. Dort sollen Spezialisten verschiedener Disziplinen im Team zusammenarbeiten, um Patienten mit Volkskrankheiten wie Wirbelsäulenerkrankungen oder Diabetes behandeln. Diese Zentren sollen eine Brücke zwischen ambulanter Medizin und Krankenhausmedizin schlagen.

Das Krankenhaus der Zukunft wäre "integrativ verwoben" mit den Kompetenzzentren, die ambulant tätig sind oder für eine Nacht das Krankenhaus benötigen - oder das Krankenhaus wird gleich selbst zu einem solchen Zentrum.

Voraussetzung für Grönemeyers Konzept ist allerdings, daß es eine komplette digitale Vernetzung zwischen den Krankenhäusern.

Kompetenzzentren, niedergelassenen Ärzten und therapeutischen Einrichtungen gibt. So könnten Bild- und Schriftdokumente, Labordaten und physiologische Ergebnisse wie EKG oder EEG vom Zuweiser bis zum Therapeuten ausgetauscht werden. Hausärzte spielen eine zentrale Rolle in dem Modell - als Lotsen durch das Gesundheitswesen.

Sie werden sich laut Grönemeyer aber zu Gesundheitsmanagern wandeln müssen. "Die Zeit der Praxis-Idylle, die nie so idyllisch war, ist vorüber; vom Arzt wird immer mehr verlangt: neben der medizinischen Kernkompetenz vor allem Organisatorisches, soziale und psychische Beratung, Managementwissen", schreibt Grönemeyer. Damit die "Hausärzte neuen Stils" all ihre Aufgaben wahrnehmen können, plädiert er zum Beispiel dafür, daß sie ohne große bürokratische Auflagen mehr Assistenten einstellen können.

Wie das Modell konkret finanziert werden könnte, sagt Grönemeyer allerdings nicht. Erst nach der Festlegung auf ein System, dem Pflichtenheft, stellt sich für ihn die Frage nach den Kosten - und den Preisen für die Patienten.

Ärzte Zeitung, Nr. 12 Jahrgang 24,  25.01.2005



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