Franz Gleiss

Besprechung des Titels: Der Krebs lebt nur vom Blut allein
Warum Chemotherapie nicht funktionieren kann

Mediziner Thomas Böhm aus Spielberg stellt sich mit seinem Buch gegen althergebrachte Methoden

Zehn Jahre hat Dr. Thomas Böhm in der Krebsforschung verbracht. "Nun endlich nach relativ langer Inkubationszeit ist meine Sicht über Krebs und Krebsbehandlung in Buchform zusammengefasst."
Seine Sicht über Krebs geht aber keineswegs konform mit existierenden Behandlungsmethoden: "Seit Beginn der Krebsforschung in den 50er-Jahren konzentrieren sich die Wissenschaftler auf die Tumorzelle. Dabei ist dieser Bereich nur ein Teil des Problems, und aus meiner Sicht nicht der wichtigste."

Böhm konzentriert sich in seinen Ausführungen auf die Angiogenesehemmung. Angiogenesehemmer verhindern die Bildung von neuen Blutgefäßen in soliden Tumoren. Sie nehmen dem Krebs damit seine Lebensgrundlage - der Krebs "verhungert". Das Buch geht auch der Frage nach, warum Chemotherapie und Immuntherapie eigentlich nicht funktionieren können. Gleichzeitig erklärt er, warum die Angiogenesehemmung das rationalste, eleganteste und vielversprechendste Konzept im Kampf gegen die soliden Krebsarten ist.

Aufgebaut ist dieses Buch von Thomas Böhm auf dem Lebenswerk von Dr. Judah Folkman. Drei Jahre lang hatte Böhm bei dem Wissenschaftler an der Kinderklinik der Medizinischen Fakultät der Harvard Universität in Boston, USA, gearbeitet.
"Folkman hat bereits 1971 sein grundlegendes Konzept zur Angiogenesehemmung veröffentlicht", so Böhm. "Die Arbeit wurde anfangs von Wissenschaftlern nicht ernst genommen. Der Durchbruch gelang dem Dozenten der Harvard Universität erst Mitte der 90er-Jahre."

Im Gegensatz zu Folkman richtet sich Böhm mit seinem Buch aber nicht an die Wissenschaft. Er möchte Laien ansprechen. Entsprechend verständlich hat er die komplizierten medizinischen Zusammenhänge formuliert. Der Mediziner mahnt aber auch vor blindem Vertrauen in die Ärzteschaft. "Ich ermutige Patienten zu mehr Misstrauen. Immerhin sind ja auch die Onkologen nicht glücklich mit ihrer Situation. Sie müssen eingestehen, dass sie ihren Patienten nicht zufriedenstellend helfen können", sagt Böhm.

Nach Medizinstudium vier Jahre in Boston gearbeitet

Nach der Matura im Stift Melk 1985 hat sich der Spielberger nach dem Medizinstudium der Krebsforschung gewidmet. Drei Jahre lang hat er am Institut für Molekulare Pathologie in Wien als wissenschaftlicher Mitarbeiter von Dr. Kim Nasmyth gearbeitet.
"Bei dieser Arbeit habe ich gemerkt, dass die Bekämpfung der Tumorzellen der falsche Ansatz ist. Bei meiner Suche nach einem alternativen Ansatz bin ich auf Judah Folkman gestoßen", erzählt Böhm. Mit einem Stipendium des Fonds zur Förderung der wissenschaftlichen Forschung ist er 1995 nach Amerika gezogen. Bis Ende 1999 hat er den im Jänner 2008 verstorbenen Folkman als wissenschaftlicher Mitarbeiter unterstützt (...)

Niederösterreichische Nachrichten,  29.4.2008



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